Ausblick 2022

Wir müssen in Deutschland besser, schneller und agiler werden

Präsident Ulrich Heep und Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer blicken voraus auf die Perspektiven der Wirtschaft im Jahr 2022. Beeinflusst wird sie nicht nur von Corona, sondern auch von vielen weiteren Herausforderungen eines langfristen Strukturwandels.
„Die Wirtschaft in der Region Limburg-Weilburg war in den vergangenen fast zwei Jahren stark von der Corona-Pandemie beeinflusst – so wie auch wir alle persönlich oder als Gesellschaft. Auch 2022 müssen wir bis auf weiteres mit der Pandemie leben. Vielen Branchen geht es dabei aktuell besser als vor einem Jahr“, sagt Ulrich Heep, Präsident der IHK Limburg.
Gebremst werde das Aufholwachstum jedoch durch Lieferengpässe, hohe Energie- und Rohstoffpreise oder den Fachkräftemangel. Nicht zuletzt durch neue Corona- Varianten werde es eine große Herausforderung, auf einen guten Wachstumspfad zu kommen. Der sei aber notwendig, um die Umsetzung zentraler gesellschaftlicher Zukunftsaufgaben zu stemmen.
„Die weitere Erholung der Wirtschaft insgesamt hängt in den nächsten Monaten auch von vielerlei anderen Entwicklungen ab. Es gibt zahlreiche Herausforderungen eines langfristigen Strukturwandels, die auch die Unternehmen in unserer Region, im neuen Jahr und lange darüber hinaus, begleiten werden“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer.
Von der neuen Bundesregierung wünscht sich die IHK Limburg daher, dass diese 2022 die großen Baustellen hierzulande mit Gestaltungswillen und zukunftsorientierter Wirtschaftspolitik angeht. „Wir müssen in Deutschland besser, schneller und agiler werden“, fasst Heep zusammen. Der Ampel-Koalitionsvertrag weise mit dem Titel „Mehr Fortschritt wagen“ in die richtige Richtung, er berge aber auch noch etliche Unsicherheiten oder unklare Finanzierungsfragen. Zugleich könnten die Herausforderungen nur erfolgreich mit privaten Innovationen und Investitionen in Zukunftsbereiche gemeistert werden. Voraussetzung dafür seien wachstumsfreundliche und verlässliche Rahmenbedingungen.
Zu den auch für die regionale Wirtschaft in 2022 wichtigen politischen Rahmenbedingungen gehört aus Sicht der IHK etwa die konsequente Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung. Sie sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Unternehmen erfolgreich agieren können. „Wer das Land zum Leben und Wirtschaften stärken will, muss Sand aus dem Getriebe der Bürokratie nehmen – etwa bei Planungs- und Genehmigungsverfahren“, sagt Sommer. Wichtig sei zugleich, dass Digitalisierung durch einen beschleunigten Netzausbau an jedem Punkt zum selbstverständlichen Teil wirtschaftlicher Infrastruktur werde.
„Der Klimawandel und seine Auswirkungen ist eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“, ergänzt der IHK-Präsident ein weiteres wichtiges Thema. „Die Wirtschaft bekennt sich in ihrer Breite zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens. Klimaschutz und die damit verbundene Energiewende sollte dabei aber nicht zu Standortnachteilen führen, sondern im Gegenteil als Standortvorteil verstanden und umgesetzt werden.“ Wichtig für das Gelingen der Transformation hin zu einem klimaneutralen Energie- und Wirtschaftssystem ist für ihn eine breite Akzeptanz aller Beteiligten. Die Unternehmen investierten bereits immer stärker in betrieblichen Klimaschutz und in die eigene Energieversorgung. Eine Hilfe seien ihnen dabei nicht überbordende staatliche Regeln, sondern sinnvolle Anreize, Unterstützung und geeignete politische Rahmenbedingungen.
Wie ein roter Faden ziehe sich zudem der Fachkräftemangel durch die Wirtschaft. In immer mehr Berufen fehle der Nachwuchs. Besonders betroffen seien kleine und mittlere Unternehmen. „Der Höhepunkt kommt erst noch, wenn die Babyboomer-Jahrgänge nun in Rente gehen“, blickt die Hauptgeschäftsführerin voraus. Vor allem gefragt aber schwerer als früher zu finden seien Fachkräfte mit einer dualen Berufsausbildung. Durch den demografischen Wandel und dem Trend zum Studium werde die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zusätzlich erschwert. „Da ist natürlich die Frage: Wie können wir gegensteuern?“ schließt Heep an. „Wir wollen uns als Wirtschaft stark engagieren, um die duale Ausbildung noch besser zu gestalten und junge Menschen in einen Ausbildungsberuf hineinzubringen.“ Wichtig seien zudem mehr Maßnahmen zur Verbesserung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder ein zielgenaues Fachkräfteeinwanderungsgesetz.
„Für das neue Jahr wünsche ich mir vor allem, dass wir die Pandemie so in den Griff bekommen, dass wir mit dem Virus leben und wirtschaften können“, sagt Monika Sommer. „Wir alle dürfen gespannt sein, was die Zukunft bringt. Mit Zusammenhalt und Zuversicht können wir unsere regionale Wirtschaft gemeinsam unterstützen“, ist sich Ulrich Heep sicher.
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